Am Aktionstag kam das Projektteam von UTOPIA TOOLBOX mit vielen Bürger:innen der Stadt ins Gespräch und erfragte ihre Erlebnisse und Vorstellungen zum Thema Freiheit, ihre Ideen für eine künftige Gesellschaft, in der sie gerne leben würden. Wir bedanken uns für Ihre überwältigende Offenheit und Ihren Mut, sich auf solch herausfordernde Themen einzulassen.

Und wir hoffen, Sie im kommenden Jahr wiederzusehen!

Lesen Sie hier die Statements der Teilnehmer:innen von mmopen und deren Gästen.

 

 

Gastronom, etwa 30 Jahre

Die größte Freiheit habe ich erlebt, als ich mich von meiner Ex-Frau getrennt und einen Großteil meines Besitzes verkauft habe, um drei Jahre in Asien zu leben. Mit einigen Freunden habe ich in einem Bungalow im Dschungel gewohnt, wir besaßen nur unsere Siebensachen, etwas Bargeld. Wir waren frei. Noch heute kriege ich Gänsehaut beim Gedanken daran. Auf nichts schauen müssen, keine Post, keine Termine. Hat man nicht viel, kann man nicht viel verlieren. Diese Zeit hat mein Denken verändert, nicht-materielle Dinge sind in den Vordergrund getreten.

Gesamtgesellschaftlich wünsche ich mir weniger Medienkonsum und blinden Medienglauben. Die Digitalisierung verspricht uns Freiheit und Bequemlichkeit, macht uns aber unfrei.

Mir sind persönliche Kontakte wichtig, ich kenne viele Gleichgesinnte, und mich freut auch, dass unser junger Bürgermeister viele gute Ideen hat.

 

Irene Rampp, Heilpraxis

Eine besondere Freiheit ist für mich, die Arbeit tun zu dürfen, die ich liebe und darin Erfüllung zu finden.

Generell habe ich das Gefühl, dass die Menschen wieder mehr in diese Richtung kommen. Jeder sucht doch einen Ausweg aus diesem berühmten Hamsterrad. Der Ausweg ist die Gemeinschaft, die durch das Arbeiten miteinander entsteht. Sind Chef und Angestellte gleichwertig, verspürt man Freude an der Arbeit. Paradoxerweise wird Freiheit erst möglich, wenn die Menschen einander wieder mehr brauchen.

Für mich heißt Freiheit auch, mich so zeigen zu können, wie ich bin, ohne Angst, verletzt zu werden. Wir gehen in eine neue Zeit, die Menschen lechzen nach Veränderung. Ich will niemanden bewerten oder verurteilen, aber die alte Zeit war: Macht, Ego, Gier, Korruption und so weiter. Die neue Zeit wird bringen: Liebe, Gemeinschaft, Füreinander. Deshalb kommen jetzt auch Dinge ans Licht, von denen wir jahrzehntelang nichts bemerkt haben. Die Menschen lassen sich nicht mehr so viel von außen diktieren. Wir erleben eine brutal ehrliche Zeit, in der auch viele Abgründe sichtbar werden, aber das gehört zu einem Prozess, der sich nicht aufhalten lässt. Konfrontation dient der Aufrüttelung, es ist der Startschuss in Richtung Freiheit. Jetzt befinden wir uns in einer Art Tunnel, an dessen Ende schon das Licht schimmert, aber es bleibt spannend, welchen Weg die Menschheit einschlägt. Wir können es schaffen, weil wir jederzeit frei sind, unsere Richtung zu wählen. Wir erleben eine Zeit kollektiven Wandels. Daher finde ich auch die heutige Aktion besonders toll – sie ist ein positives, wichtiges Signal.

 

Frau, etwa 60 Jahre

Freiheit bedeutet Respekt für sich und andere.

 

Rentner, Steuerberater

Unerwarteter sportlicher Erfolg gibt mir das Gefühl von Freiheit. Ich bin aktiver Laufsportler und bestreite immer noch Wettkämpfe. Dabei kommt es mir gar nicht so sehr auf Leistung an, sondern ich freue mich immer über Rückmeldungen von Anderen, wenn ich der Taktgeber für sie sein konnte. Diese Form von Anerkennung und Dankbarkeit wirkt auf mich absolut befreiend, gerade wenn sie unerwartet kommt.

Das Gegenteil von Freiheit musste ich einmal erleben, als ich nach einer scheinbar gut verlaufenen Besprechung mit einem jahrelangen Klienten den Auftrag verlor. Da schluckt man schon. Man hat alles richtig gemacht, sein Bestes gegeben und trotzdem verliert man einen Klienten aus irrationalen Gründen. Zum Glück ist mir so etwas nur einmal passiert.

In der gesamten Gesellschaft fällt mir auf, dass der Trend weg von Religiosität führt. Da braucht es verbindliche neue Werte als Ersatz, eine Moralethik, welche die Schnittmenge der großen Weltreligionen bildet und allgemein gültige Prinzipien verwirklicht. Darauf müssen Lernen und Erziehung in der kindlichen und späteren Phase abzielen. Wir sollen ja nicht nur Vorgaben genügen, sondern selbst Schwellen überwinden, neugierig sein, Dinge hinterfragen. Mir wurde früh beigebracht, selbstständig zu denken.

 

Dagmar Wood, Rentnerin, 82 Jahre

Mich hat kürzlich der Film ‚Wer wir waren‘ sehr beeindruckt. Man sieht einen Astronauten in der Kapsel, wie er auf unseren kleinen blauen Planeten blickt, man taucht mit hinunter in die Tiefsee. Auf dem Heimweg habe ich zum Sternenhimmel geblickt und mich gefreut, was für ein tolles Leben ich hatte.

Mit meiner Familie lebte ich einige Jahre in Asien. Wenn wir im südchinesischen Meer schnorcheln gegangen sind, konnten wir Kreaturen aus einer ganz anderen Welt entdecken. Das war ein besonderes Freiheitsgefühl.

Ich bin froh, dass mein Leben wesentlich freier war als das meiner Mutter. Ich konnte in meinem Leben Chancen ergreifen. Als gebürtige Memmingerin habe ich 30 Jahre im Ausland gelebt, unter anderem als Finanzexpertin für Ärzte ohne Grenzen in Afrika. Meine Generation war die erste, in der Frauen auch sexuelle Freiheit hatten, dank der Pille. Es musste keine mehr 16 Kinder bekommen wie meine Ur-Oma.

Heute demonstrieren hier die Menschen für mehr Freiheit, mit martialischem Getrommel, das mir Sorge macht. Wir haben doch so viele Freiheiten!

Mir ist völlig unverständlich, dass sich Menschen in Deutschland unfrei fühlen.

 

Frau, etwa 50 Jahre

Ich finde die heutige Aktion toll und denke, dass sie fest in den Memminger Kulturkalender gehört. Die Aktion verbindet Menschen in der Stadt, das finde ich wirklich gut. Freiheit bedeutet für mich immer auch die Freiheit des Anderen [Rosa Luxemburg: Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden]. Mit der Entscheidungsfreiheit ist es so eine Sache: Entscheide ich mich für eine Option, entscheide ich mich gegen alle anderen.

 

Herbert Lauber, Rentner, 75 Jahre

Mein Leben war immer frei. Ich bin gelernter Bierbrauer und war dann bei L’Oréal im Außendienst, bin zwischen den Hauptstädten Europas hin und her gereist. Wir haben uns in der Nachkriegszeit mit einfachsten Mitteln etwas aufgebaut. Jetzt sorge ich mich oft um meine sechs Enkel, ob sie weiter in friedlichen Zeiten leben werden.

Wären die Leute doch etwas freundlicher zueinander! Ja, wenn jeder nicht nur an sich denken würde!

Ganz wichtig sind mir meine persönlichen Kontakte, die ich unter anderem an meinen zwei Stammtischen pflege. Und heute bei der Aktion mmopen treffen sich fremde Leute und verstehen sich auf Anhieb! Es wäre doch schön, wenn sich neue Kontakte daraus ergeben würden. Unser dritter Bürgermeister war auch schon hier, er unterstützt das Projekt voll und ganz.

Für mich ist es wunderbar, meine Familie um mich zu haben, und ich wünsche mir, dass uns dieses Haus noch lange erhalten bleibt. Hier im Garten ist mein Vater schon als Kind herumgesprungen, jetzt spielen meine Enkel auf der Wiese Fußball. Wir haben viel Arbeit in die Renovierung unseres Hauses gesteckt, es hat sich gelohnt. Ich lebe von meinem Erbe, das bedeutet auch viel Freiheit. Wir fahren hin, wo wir wollen, kaufen und essen, worauf wir Lust haben. Ich danke Gott für jeden Tag.

 

Ralph Weidhaas, Erzieher, 55 Jahre

Freiheit bedeutet für mich in erster Linie Teilhabe. In unserer Einrichtung, die Menschen mit mittlerer Behinderung betreut, bauen wir gerade eine Online-Community zur Vernetzung mit Nachbarn auf. Nach wie vor gibt es eine Hemmschwelle im Umgang mit Behinderten. Wir wünschen uns unkomplizierte Nachbarschaftshilfe – Blumen gießen, Werkzeug ausleihen und dergleichen. Auf dem Dorf funktioniert es noch, in der Stadt ganz selten. Hier herrscht meist Anonymität – die Menschen sollten mehr aufeinander zugehen, damit sie sich gegenseitig unkompliziert Hilfe leisten können, wenn zum Beispiel das Auto einmal nicht anspringt. Für mehr Freiheit müssen wir etwas tun gegen die allgemeine Isoliertheit.

 

Susanne, Heimbewohnerin, etwa 20 Jahre

Besonders frei fühle ich mich im Urlaub. Dieses Frühjahr waren wir schon in Teneriffa, im Herbst geht es nach Italien. Die Arbeit macht mir schon auch Spaß – ich bin in den Unterallgäuer Werkstätten beschäftigt, aber irgendwann ist es dann wieder Zeit für Urlaub. Im Urlaub lebt man mehr!

Ich breche gern aus dem Alltag aus und habe Spaß am Weggehen, trotz Rollstuhl. Frei fühle ich mich auch an Tagen, an denen ich keine Spastik habe und mich entspannen kann. Natürlich würde ich auch gern einmal ganz allein in die Stadt fahren, aber ich habe mich damit abgefunden, dass ich Hilfe brauche.

Das Gegenteil von Freiheit sind für mich jede Form von Verpflichtungen. Eine freiere Gesellschaft wäre schön – wenn die Menschen alles nicht so eng sehen würden, nicht so steif und ernst wären, und mehr aufeinander zugehen würden.

 

Jasmin, Heimbewohnerin, etwa 20 Jahre

Ich wohne hier seit acht Jahren und fühle mich wohl. Hier führe ich ein freies, unabhängiges Leben. Wir kommen und gehen, wie wir wollen. Ich muss jeden Tag selber planen und eigene Routinen entwickeln – das gibt mir Selbstsicherheit. Manchmal denke ich darüber nach, wie mein Leben ohne Behinderung sein könnte. Aber gesunde Menschen sind nicht automatisch glücklicher. Eigentlich fühle ich mich immer frei. Natürlich mache ich mir oft auch Gedanken, was die Leute wohl denken, wenn sie meinen eingedrehten Fuß sehen. Dreimal in der Woche gehe ich zur Therapie, das gibt mir auch Freiheit. Dort lerne ich, mich auf eine Sache konzentrieren und meinen Fuß nach außen zu drehen. Ich übe, mich in den Griff zu bekommen. Das schenkt mir ein souveränes Gefühl.

 

Frau, Mitte 40 und vier Gäste

Ich finde die Aktion heute sehr schön, weil ich mich nicht so leicht damit tue, Leute anzusprechen. Da dachte ich, ich setze mich einfach mal in meinen Garten und dann kommen die Leute zu mir!

Ich schätze sehr, dass wir uns in Deutschland frei äußern können, die Regierung kritisieren, ohne dafür eingesperrt zu werden. Natürlich gibt es dabei auch die Grenze, niemanden zu beleidigen. In der Arbeitswelt sieht es mit der freien Meinungsäußerung schon anders aus, da besteht unter Umständen die Gefahr, rausgeschmissen zu werden, wenn man sich zu kritisch äußert. Ich habe aber auch ein gewisses Verständnis für die Position des Chefs, der alle Zusammenhänge kennt und die ganze Verantwortung für das Unternehmen tragen muss.

Generell brauchen wir mehr Respekt vor der Freiheit der anderen Menschen: die Jüngeren den Älteren gegenüber, aber genauso auch umgekehrt. Unser Umgangston in der Gesellschaft muss wärmer werden, höflicher.

Ich finde es sehr schade, dass uns generell so viel Spontaneität verloren gegangen ist, unter anderem durch die Arbeitswelt, in der sie kaum vorkommen darf, oder durch die vielen Baustellen in unserem Leben. Ich wünsche mir sehr viel mehr Freiraum für Spontaneität, um den Kopf frei zu kriegen.

Ein Freiheitsaspekt an Memmingen ist für mich, dass ich kein Auto brauche, weil ich alles mit den Rad erreichen kann. In unserem Viertel kann ich die Kinder vor die Tür zum Spielen schicken und abends wieder einsammeln, ohne dass ich mir Sorgen machen muss. Mir ist wichtig, dass ich sie nicht dauernd beaufsichtigen und kontrollieren muss. Ich selbst bin auf dem Land in der Natur aufgewachsen und habe mich dort sehr frei gefühlt. Es gab kleine Bauernhöfe mit 20 Kühen, einen Bäcker, einen Metzger. Wir Kinder spielten im Wald, bauten Hütten, liefen Schlittschuh auf dem See. Die Zeit lasen wir vom Kirchturm ab. Wir hatten ein großes Paradies.

Ich wünsche mir Freiheit für die Kinder, zu entscheiden, was sie machen wollen.

Jeder Mensch soll sich so verwirklichen können, wie er möchte, ohne dafür kritisiert oder zur Rechenschaft gezogen zu werden.

Freiheit ist für mich, zusammen hier zu sitzen, ohne dass ein Bomber über uns fliegt und die Alarmsirenen losgehen.

Durch Verzicht entsteht mehr Freiheit. Man muss nur seine Gewohnheiten ändern.

Der ganze Konsum ist nicht zwingend notwendig, ich brauche keine 92 Käsesorten. Ich komme aus dem ursprünglichen Ostdeutschland, wir hatten sehr viel weniger, aber fühlten uns freier ohne den ganzen Konsum, mal vom Überbau des Systems abgesehen. Das Umdenken in Richtung Verzicht passiert leider meist nicht freiwillig, dafür braucht es wiederum Gesetze – und dann fehlt wieder die Freiheit. Wir müssen erst mal bei uns selber anfangen mit der Veränderung, jeder einzelne. Vielleicht werden wir dann sogar zu Vorbildern für Andere, wie Deutschland durch den Ausstieg aus der Kernkraft.

Für eine künftige Gesellschaft wünsche ich mir, dass sie die Freiheit der Natur respektiert.

Ich würde gerne selbst fliegen können! Das wäre Freiheit!

 

Zehn Menschen unterschiedlichen Alters
im Bewohnertreff einer Wohnanlage

Als ich jung war, hatte ich viel Freiheit: Ich hatte mehr Zeit. Die habe ich nun erst wieder, seit ich in Rente ging. Ich habe gerne gearbeitet und meine Arbeit nicht als Zwang empfunden. Dennoch war ich sehr eingebunden.

Freiheit ist für mich, entscheiden zu können, wie ich leben will, und mich vor niemandem dafür rechtfertigen zu müssen. Selbst wenn ich eine Bäckerei in Norwegen übernehmen will.

Die Kinder werden in Zukunft wohl wegen ihrer Handy-Abhängigkeit weniger Freiheit haben.

Für mich ist Freiheit, nicht mehr arbeiten zu müssen, jetzt, da ich alt bin. Gleichzeitig hätte ich jetzt gerne die Kraft, die ich als junger Mensch hatte.

Freiheit hängt für mich eng mit Gesundheit zusammen, die ich für eine freie Lebensgestaltung brauche, um meine Träume zu verwirklichen.

Freiheit ist für mich, tun und lassen zu können, was ich will, so lange ich nicht kriminell bin. Wir dürfen dabei aber auch den Blick für den anderen Menschen nicht verlieren.

Durch die vielfältigsten Möglichkeiten in der Gesellschaft geht leider auch viel Einfaches verloren. Durch zahllose Wahloptionen entsteht ja nicht unbedingt mehr Freiheit. Im Gegenteil: Wenn die Gesellschaft wieder einfacher wird, wenn die Getriebenheit nachlässt, sich mehr Raum für Langsamkeit auftut, entsteht auch mehr Freiheit für den Einzelnen.

Ein Haus kann einem die Freiheit nehmen, weil so viele Verpflichtungen damit verbunden sind. Besitz belastet auch. In Einfamilienhaus-Siedlungen kann es mit der Freiheit schnell zu Ende sein, wenn die Gärten zwanghaft verglichen werden und einer es anders macht als die anderen. Für mich war es eine Befreiung, den Besitz aufzugeben. Freiheit ist für mich, dass ich nun keine 13 Fenster mehr putzen muss, sondern nur noch 2.

Wenn ich frei meiner Phantasie nachgehe, hätte ich gerne ein Haus am Waldrand, und ein geregeltes Einkommen, sodass ich nichts ‚arbeiten‘ müsste. Dann würde ich ganz viel lesen. Wie lange man das aushält? Natürlich besteht die Gefahr, dass man bald einen Koller vom Alleinsein bekommt. Aber vielleicht streunt dann ein herrenloser Hund daher, und schon ist man nicht mehr einsam.

Wir Menschen haben die Freiheit, immer wieder einen anderen Weg zu gehen.

Die Befreiung von gesellschaftlichen Zwängen findet erst mal in einem selbst statt.

Die große Frage ist: Wie kann man sich in seiner eigenen Welt Freiheit schaffen, ohne dauernd in andere Länder auf Urlaub reisen zu müssen, wie wir es in unseren  Urlauben tun. Wo kann ich mir im Alltag Freiheiten schaffen, auch wenn es scheinbar nur kleine Freiheiten sind?

Die eigene Freiheit sieht man eigentlich erst, wenn man die Unfreiheit anderer mitbekommt, zum Beispiel durch Krankheit.

 

Freikirchliche Adventgemeinde,
vier Mitglieder, zwei Männer und zwei Frauen, zwischen Mitte 30 und Mitte 60

Ich komme ursprünglich aus dem ehemals kommunistischen Tschechien und schätze die Freiheit hier in Deutschland sehr: freie Meinungsäußerung, freie Berufswahl, freie Religionswahl. Ich glaube, die Freiheit kann man erst wirklich schätzen, wenn man auch ihr Fehlen erlebt hat.

Freiheit kann in ganz einfachen Dingen liegen, wie etwa Wasser aus dem Hahn zu trinken, was in anderen Ländern gar nicht möglich ist. Ich kenne viele Länder, weil ich mein Leben lang unterwegs war, aber so viel Freiheit wie in Deutschland habe ich nirgends erlebt, auch nicht in den USA.

Unsere Freiheit hier findet allerdings noch auf dem Rücken anderer statt, wenn wir nur an die Produktion unserer Konsumwaren in Bangladesh denken, von deren menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen wir hier durch Billigangebote profitieren.

Meine Freiheit endet da, wo ich sie anderen nehme.

Mir ist für eine zukünftige Gesellschaft wichtig, dass wir uns wieder mehr zuhören, frei werden für die Argumente der Anderen, einen offenen Blick entwickeln. Wenn wir im kleinen Rahmen gut zurecht kommen, klappt es auch im Großen besser. Ein Gleichgewicht zwischen Individualität und Gesellschaftsleben bringt meines Erachtens Freiheit. Als demokratische Republik sollten wir Gemeinschaft leben, auch wenn das brutal anstrengend ist.

Ich wünsche mir mehr Zeit fürs Leben.

Wir arbeiten hier seit 20 Jahren zusammen an unserer Utopie eines neuen Kirchengebäudes. Jetzt wird sie Realität.

 

Simone und Rainer Stec, Antiquare und Drucker, 56 und 52 Jahre,
Dackel Lotte

Wir leben in einer Zeit, in der die Freiheit wieder eingeschränkter ist, als sie es schon war. Das demokratische Denken wird beschnitten, die Zwänge nehmen zu. Für mich ist das die falsche Richtung. Im Gegenteil muss die volle Meinungsfreiheit wieder gewährleistet werden.

Mich nervt die Trägheit und Gleichgültigkeit der Menschen, die dauernd auf hohem Niveau jammern. Denen möchte ich sagen: Leute macht doch mal was! Lasst nicht alles über euch ergehen! Wehrt euch!

Wir haben so viele gesellschaftliche Baustellen, ganze Gesellschaftsschichten brechen gerade weg. Bezahlbarer Wohnraum für jeden Menschen wäre für mich eine Grundbedingung der Zukunft, um überhaupt Freiheit empfinden zu können. Ohne ein Mindestmaß an Geborgenheit geht das nämlich nicht.

Wir sensibilisieren unsere Kinder dafür, dass nicht alles selbstverständlich ist, was uns zur Verfügung steht.

Ein Leben ohne Angst – das wäre für mich eine Utopie von Freiheit.

Für mich ist Freiheit die Freiheit zum selbstbestimmten Leben.

Der Freiheitsbegriff unseres Dackels hingegen reicht gerade mal bis zur Hoftür…

Wenn ich an die Freiheitsrechte von vor 500 Jahren denke, wie sie die damalige Bauernschaft formuliert hat, so ist vieles davon bis heute nicht realisiert.

 

Pascale Tosca-Conrad, 56 Jahre, Gesundheits- und Krankenpflege

Ohne direkt Anarchie zu wollen, wünsche ich mir freie Meinungsäußerung für alle, freies Denken, Freiheit vor der Beurteilung durch Andere, freies Lieben frei von Gewalt [Ich betreue das Frauenhaus in Memmingen]. Ich selbst bin frei erzogen worden. Als Französin habe ich einen besonderen geschichtlichen Bezug zu den Idealen von Freiheit, wie sie in der französischen Revolution gefordert wurden. Freiheit bedeutet für mich zunächst die Gleichstellung von Mann und Frau, gesellschaftlich und rechtlich.

Ich wünsche mir für die Zukunft eine offenere Gesellschaft mit weniger Vorurteilen.

Mir fällt dazu ein französisches Sprichwort ein, das übersetzt lautet:

‚Kleider machen nicht den Menschen‘.

 

Junge, etwa 8 Jahre

Wenn ich mir von einer Fee Freiheiten wünschen darf, dann möchte ich nie mehr ins Bett müssen und immer soviel Fernsehen können, wie ich will. Und dass ich nie mehr in die Schule muss. Ich hätte überhaupt gerne eine Schule, in der es nur 2 Stunden Unterricht gibt und 3 Stunden Pause, und dann wäre die Schule aus.

Ich möchte auch gerne in einem Profiverein Fußballspielen, egal in welchem, nur nicht bei Bayern München. Und ich hätte gerne Zauberkräfte, dann würde ich machen, dass auch andere Leute ganz toll Fußballspielen könnten.

 

Kathrin, Martin, Jette Laufer, Martarr Joof, Shanti Fernando

Anders denken muss möglich sein. Viele Menschen haben allerdings Angst davor, dass durch die Gegenmeinung das eigene Weltbild zerstört wird.
Grundsätzlich bewegen mich gesellschaftliche und individuelle Fragen wie: Welche Sicherheiten bietet uns der Staat? Wie kann ich gut mit Menschen sein? Wie kann ich verzeihen? Habe ich noch eine Beziehung zu mir selbst? Kann ich mir noch vertrauen? Was brauche ich? Selbstliebe?
Gesellschaftlich gesehen beobachte ich bei vielen Menschen den Verlust an Bezug zu sich selbst.

Für mich ist der Mittelweg der Idealweg. Wenn man das ‚Sowohl-als-Auch‘ zulässt, ist man auf dem radikalen Mittelweg. Pluralität finde ich wichtiger als Dualität. Ich übe, das Paradox zu begreifen. Tabuthemen begrenzen die Freiheit. Wenn man die Freiheit erreichen will, muss man Energie und Mut aufbringen. Man muss sich selbst überwinden.

Der Unterschied zwischen meiner Heimat Gambia und Deutschland ist groß. In Deutschland gibt es ein Menge Gesetze, die Bürokratie grenzt viele Freiheiten ein. In Gambia hingegen begrenzt die Religion die Freiheit. Viele Sachen darf ich dort nicht machen. Dort darf ich auch nicht öffentlich über Sexualität sprechen.
Freiheit bedeutet für mich, dass ich mein Leben leben kann, wie ich möchte, ohne dabei andere zu verletzen oder zu beleidigen.

Wir jungen Menschen hätten theoretisch extreme Freiheiten, aber wir wissen nicht, was wir eigentlich damit machen wollen. Entscheidungen zu treffen finde ich extrem schwierig, wenn es so ein Überangebot an Möglichkeiten gibt. Ich habe Schwierigkeiten, damit umzugehen. Ein künftiges Schulsystem müsste einem beibringen, selbstständig Entscheidungen zu treffen. Heutzutage wird man plötzlich und unvorbereitet ins Leben geworfen. Bei mir löst das ein Gefühl von Verlorenheit und Überforderung aus.

 

Axel Pfalzer, Teamleiter, 58 Jahre, Ruth, Stefanie, Alex

Den Begriff Freiheit kann man nicht einheitlich definieren, weil sie etwas sehr persönliches ist und unterschiedlich erlebt wird. In unserem Land wird schnell gemotzt, immer gleich über irgendwas geschimpft. Auslöser ist die eigene Unzufriedenheit.

Wenn man mit anderen ins Gespräch kommt, merkt man, dass alle die gleichen Probleme haben. Ich finde, wir sollten uns in Zukunft mehr in andere Menschen hineinversetzen und ihnen mehr Anerkennung für das zollen, was sie tun: Siehs doch mal positiv. Da macht jemand etwas!

Ich glaube die Menschen in unserer Gesellschaft haben oft Scheu, überhaupt mal jemanden anzusprechen. Man will ja nicht aufdringlich sein. Über ein Kind oder einen Hund [oder mmopen, Anmerkung UTOPIA TOOLBOX:-)] ist das niederschwelliger. ‚Wem ghörsch denn jetzt dann du?‘ ist eine typische lokale Eröffnungsfrage für Gespräche, um herauszufinden, aus welcher Familie jemand stammt. Woran liegt es, dass wir weniger auf Fremde zugehen?

Wie steht es in Deutschland um die Gastfreundschaft? Sind wir wirklich weniger gastfreundlich? Auf jeden Fall sind wir keine Wir-Gesellschaft, sondern eine Ich-Gesellschaft. Wie können wir in Zukunft mehr Leute motivieren, sich ehrenamtlich zu engagieren, frage ich mich.

 

Stefanie Zimmer, Industriekauffrau, 60 Jahre

Freiheit bedeutet für mich, dass ich sagen kann, was ich denke.

Wenn man nur alleine zuhause sitzt ist man nicht frei. Es ist wichtig, Momente miteinander zu teilen, teilhaben zu können, neue Impulse zu bekommen.

Die Einschränkung meiner Freiheit habe ich als alleinerziehende Mutter von drei Kindern mit Hartz IV-Einkommen erlebt. Da musste ich nur noch kämpfen. Jedes Mal, wenn ich zum Jobcenter ging, habe ich geheult. Ich wäre gerne arbeiten gegangen. Ich habe meinen Mann so beneidet. Er konnte einfach arbeiten gehen. Wenn ich damals meine Freundin nicht gehabt hätte, hätte ich mich nicht getraut raus zu gehen. Jetzt sind alle Kinder erwachsen, und aus allen ist etwas geworden. Jetzt habe ich alle Freiheiten.

Für die Zukunft wünsche ich mir persönlich, dass ich meinen jetzigen Traumjob behalten kann. In einer künftigen Gesellschaft würde ich sofort Ungerechtigkeiten beheben, wie zum Beispiel die gegenwärtige Verteilung von Wohlstand und Geld.

 

Alevitischer Kulturverein
Senem Kaya, Sachbearbeiterin, 51 Jahre

Wir machen bei mmopen mit, um mit anderen ins Gespräch zu kommen und unser Zusammenleben zu stärken. Jeder ist hier willkommen. Für uns ist Freiheit ein sehr hohes Gut. In unserem Land, der Türkei, sind alevitische Glaubensgemeinschaften verboten, sie werden regelrecht verfolgt und existieren nur im Untergrund. Gerade deshalb ist es uns besonders wichtig, dass wir hier in Deutschland unseren Glauben ausleben können und anerkannt werden. Freiheit ist deshalb eigentlich das Wichtigste für uns. In unserer Heimat ist unser Glaube ein Gefängnis.

Bei uns in der Glaubensgemeinschaft herrscht die Freiheit der Individuen. Es gibt keinen ‚Gott‘ bei uns. Gott ist dein Gewissen und in dir. Himmel und Hölle leben wir im Hier. Bei uns hat jeder sehr viel Verantwortung für sich und die Gemeinschaft, die uns sehr viel bedeutet. Wenn irgendwas passiert, wird keiner alleine gelassen. Darüber hinaus führen wir uns selbst.

Eine Utopie von Gesellschaft wäre für uns die Entwicklung hin zum ‚vollkommenen‘ Menschen, weg vom eigenen Ego, hin zum Gemeinschaftsinn, weg vom eigenen Ich, hin zu einer Gemeinschaft, in der sich Menschen möglichst unvoreingenommen begegnen und miteinander Gutes tun. Dabei sollte jede Seele gleich viel wert sein, unabhängig davon, ob sie reich oder arm ist. Wir träumen davon, künftig in Frieden zusammen zu leben – jeder mit jedem. Wir träumen von einer Welt ohne Grenzen, wo jeder Leben kann wie er will, ohne Unterscheidungen.

Um das zu ereichen müssen wir allerdings viel mehr aufeinander zugehen, von jeder Seite.

[Anmerkung UTOPIA TOOLBOX: In den Räumen des Kulturvereins hing ein wunderbares Gedicht über die INNERE FREIHEIT, das wir gerne als PDF-Download zur Verfügung stellen: > Download.]

 

Rupert Reisinger, Baubiologe, 69 Jahre

Freiheit wird bei uns, in der Partei ‚Die Linke‘, für die ich im Stadtrat sitze, hochgehalten. Sie ist ein sehr wichtiges Gut und eng mit den Begriffen Brüderlichkeit, Gerechtigkeit und Menschlichkeit verbunden. Auch Demokratie und Freiheit hängen zusammen. Die Freiheit hängt allerdings in der Luft. Die Wirtschaft plädiert ja für immer mehr [Konsum-]Freiheit, aber sie meint damit die Aufhebung von Regulierungen. Das ist eigentlich das Gegenteil von Freiheit. Für die Zukunft brauchen wir ein Gleichgewicht zwischen Bürger- und Wirtschaftsinteressen.

Ich träume von einem Wirtschaftssystem ohne Kapitalismus, von einer Gesellschaft, die selbst bestimmt, was produziert wird, von der Demokratisierung der Wirtschaft. Wie wir da hinkommen? Indem wir positive Beispiele schaffen, Wege aufzeigen. Und Wege finden, die Menschen zu erreichen.

 

Familie Schulz/Loock

Wie wir leben, das bedeutet für uns Freiheit. Wir möchten frei und ohne Angst die eigene Meinung äußern können. Wir sind für offene Grenzen. Wir möchten die Freiheit haben, in den Urlaub zu fahren, und als Selbstständige Reisen und Arbeit verbinden zu können.

Manches nimmt man zu selbstverständlich. Wir wissen es gar nicht zu schätzen, so viele Freiheiten zu haben, Freigeister sein zu können.

Gesellschaftlich kommen wir in Zukunft viel weiter, wenn wir an einem Strang ziehen. Noch wird es meist schnell ein ‚Hick-Hack‘ zwischen uns.

Wir sollten uns gegenseitig aus gedanklichen Gefängnissen befreien!

Die 12 Artikel der Bauernschaft von 1525 müssen in die Moderne übersetzt werden.

 

 

In nächster Zeit wird UTOPIA TOOLBOX eine Charta der Freiheitsrechte für eine künftige Gesellschaft erarbeiten, in die auch Ihre Vorschläge einfließen.

utopiatoolbox.org